Die Geschichten

Kein Spaß, Es Wird Ernst

Mit Mitte 20 ist Robin Briquet schon über zehn Jahre in seinem Sport erfolgreich. Freestyle macht ihm zwar verdammt viel Spaß, als Funsport will er es aber nicht verstanden wissen.

Robin Briquet lacht viel, wenn man mit ihm spricht – ganz generell. Wenn er vom Freestyle-Sport spricht, sogar noch mehr. Man merkt ihm an, dass er Spaß an seiner Sportart hat und dass das eine große Rolle für ihn spielt. „Wenn du keinen Spaß am Skifahren hast, such dir lieber was anderes“, sagt er. Diesem Rat folgte er bereits mit zehn Jahren selbst. Bis dahin war er als klassisch alpiner Skifahrer auf den Pisten von Crans-Montana unterwegs. „Aber irgendwann war das Durchfahren von irgendwelchen Toren doch zu langweilig für mich.“ Darum wechselte er zum Freestyle. Wann Robin das erste Mal Spaß auf seinen Skiern hatte oder überhaupt das erste Mal darauf gestanden hat, weiß er nicht mehr so genau. Er war wohl zwei oder drei Jahre alt: „Ich bin mitten in den Bergen aufgewachsen, hier fährt einfach jeder.“ So auch seine Familie und vor allem sein um vier Jahre älterer Bruder, durch den Robin zum Freestyle kam.

Von der Piste in die Pipe

Er begann mit Slopestyle, wo verschiedene Hindernisse übersprungen und dabei Tricks durchgeführt werden und startete erst etwas später auch in der Halfpipe. Die schiere Größe der Pipe war für Robin bei den ersten Trainings ehrfurchteinflößend. „Aber ich habe mich daran gewöhnt“, sagt er und lacht. Auf sein Training und den Unterschied zu den Methoden der alpinen Skisportlern angesprochen scherzt er weiter: „Also wir stehen definitiv später auf.“ Auch ansonsten gibt es für die Freestyler weniger Restriktionen und viele Freiheiten in der Wettbewerbsvorbereitung. Wenn es Neuschnee gibt, wird gepowdert, ansonsten verbringen die Sportler viel Zeit im Skipark oder auf dem Trampolin und feilen an ihren Sprüngen. Aber auch an der Athletik wird viel gearbeitet – der Sport hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Einerseits gibt es immer mehr physisch starke Fahrer, andererseits drängen ganz Junge nach, die direkt in den Freestyle-Sport einsteigen. „Die sind 13 oder 14 und hauen die ärgsten Sprünge raus. Aber viele davon haben keine klassische Skiausbildung und dann fehlt es manchmal am Fahrerischen“, erklärt Robin.

Außerdem muss man im Freestyle-Bereich auch zwischen den verschiedenen Formen unterscheiden. Sowie bei den Alpinen ein Slalomfahrer kein Abfahrer ist, haben auch Slopestyle und Halfpipe unterschiedliche Anforderungen. Von Disziplinen wie Buckelpiste oder Skicross, die auch zum Freestyle zählen, ganz zu schweigen. Simon startet momentan ausschließlich in der Halfpipe. Für ihn ist es die komplexere Form seines Sports. Der kleinste Fehler kann den Unterschied ausmachen und bei jedem Lauf muss er seine Sprünge an die Wand der Halfpipe adaptieren. „Wendet man zu viel Druck an, ist man ganz schnell draußen aus der Pipe.“ Beim Slopestyle geht es, grob gesagt darum, möglichst viel Druck am Kicker aufzubauen, um die maximale Höhe zu erreichen. „Beim Slopestyle gibt es definitiv die wilderen Sprünge“, sagt Simon.

Olympia als Türöffner

Aber nicht nur der Sport an sich hat sich verändert, auch wie er wahrgenommen wird. „Und dass er überhaupt von einer breiteren Masse wahrgenommen wird.“ Lange Zeit galten besonders Slopestyle und Halfpipe als Funsportarten. „Wie gesagt, ich will auch möglichst viel Spaß haben, aber wir trainieren sehr hart und sind auch seriöse Sportler“, gibt sich Simon erstmals ernst, ohne dabei auf sein Lachen zu vergessen. Darum ist er froh, dass sich der Eindruck bei den Zuschauern geändert hat. Das die beiden Disziplinen bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi erstmals vertreten waren, hat sicher einen großen Anteil daran. „Das war natürlich eine super Bühne und hat uns allen einen massiven Schub gegeben.“ Auch Simon hat bereits an Olympia teilgenommen – 2018 in Südkorea. Und wenn man ihn nach seinen sportlichen Zielen fragt, kommt er auch ganz schnell wieder auf die Spiele zu sprechen. 2022 finden die nächsten in Peking statt. Simon ist dort bereits einen Bewerb am Austragungsort gefahren und war recht zufrieden mit seinem Ergebnis. Begeistert haben ihn die Berge rundherum. 

Im Laufe seiner Karriere hatte Simon schon viele Gelegenheiten, verschiedene Skigebiete zu erkunden. Am besten gefallen hat es ihm dabei in Copper Mountain in Colorado. „Die Berge dort sehen aus wie Hügel, sind aber 4.000 Meter hoch. Ganz anders als bei uns hier“, erzählt er. Mehr Ähnlichkeiten hätte da schon Lake Louise in Kanada. Aber an Crans-Montana kommt nach Simons Meinung so schnell nichts heran: „Bei uns ist es noch dazu einfach immer sonnig.“ 

Text: Harald Triebnig
Fotos: Sophie Kirchner // friendship.is

6. Mai 2020

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