Die Geschichten

St. Moritz Im Flakon

Inviern und Engiadina – so nennen sich die beiden olfaktorischen Abbilder von Winter und Sommer in St. Moritz, entwickelt von Star-Parfumeur Geza Schön.

“Inviern” und “Engiadina” – so nennen sich die beiden olfaktorischen Abbilder von Winter und Sommer in St. Moritz.  Der international angesehene Parfumeur Geza Schön hat die Raumdüfte entwickelt, Kommunikationsexpertin Eveline Fasser Testa hat sie auf den Markt gebracht. Wie St. Moritz duftet, weiß die Unternehmerin nur zu gut: Seit ihrer Geburt atmet sie die frische Luft des Engadins.

Es war ein Urlaub auf der italienischen Insel Elba, der Eveline Fasser Testa zum Nachdenken brachte. Denn die Insel hat einen ganz speziellen Duft, und den gibt es auch abgefüllt: Das Label, das hinter den Düften steht, nennt sich Acqua dell’Elba. „Wieso haben wir das in St. Moritz nicht?“ dachte die Unternehmerin, „wir haben so viel Visuelles, so viele kulinarische Geschmackserlebnisse, Fotos und Erinnerungen, die St. Moritz ausmachen. Aber nichts, das auch den Geruchssinn anspricht und dadurch die Emotionalität zu St. Moritz schafft und an einen einzigartigen Aufenthalt erinnert.“ Wieder zurück im schönen Engadin traf sie sich mit Tourismusdirektorin Ariane Ehrat, die schon zuvor mit der Idee gespielt hatte, die olfaktorische Essenz von St. Moritz in Fläschchen abzufüllen. Ariane Ehrat hatte auch schon Kontakt mit dem Berliner Parfümeur Geza Schön aufgenommen, der 2006 mit Molecule 01 einen genialen Duft kreiert hatte: Er besteht aus einer einzigen Duftnote, dem synthetischen Iso E Super. Und riecht so einzigartig gut, dass er sich in Celebrity-Kreisen etablierte und Frauen wie Kate Moss und Madonna zu Fans machte – so wie Eveline Fasser Testa sofort Fan der Idee war, Geza Schön für das Projekt zu gewinnen: Schließlich hat auch er eine Schwäche für St. Moritz. Und die Tourismusdirektorin legte das Projekt in die Hände der Business-Lady, die daraufhin nach Berlin flog und zu Geza Schön sagte: „Ich brauche einen Duft, der einen kalten Wintertag in St. Moritz wiedergibt.“ 

Einer für den Sommer und einer für den Winter

So ungefähr fing vor nicht ganz zwei Jahren alles an. Einige Monate später kam Inviern auf den Markt – der Duft des Engadiner Winters, eine Kreation aus Enzian, Wacholder und Arvenholz, die an einen Spaziergang im verschneiten Staatzer Wald denken lässt, erhältlich als Duftkerze und Raumduft. Engiadina – eine Hommage an eine Engadiner Blumenwiese, wie es sie sommers im Val Minor bei der Lagalb gibt – sollte folgen. Der Sommerduft enthält Enzian, Arvenholz und Bergluft, „Geza Schöns Interpretation von der Höhe“, so Eveline Fasser Testa.

Inviern & Engiadina

Die Namen der Düfte sind ganz bewusst romanischen Ursprungs, denn „es war mir wichtig, das romanische Erbe zu transportieren. Wir sind in einem romanischen Teil der Schweiz, und das will ich auch kommunizieren“, erklärt die gebürtige Graubündnerin, die als Kind in der Schule noch Romanisch gelernt hat. Die Kommunikationsexpertin war über 20 Jahre lang in internationalen Agenturen tätig, bevor sie beschloss, selber ein Produkt auf den Markt zu bringen und nicht mehr nur als Beraterin zur Seite zu stehen: „Ariane und ich hatten die Idee und Geza hat den Duft entwickelt, aber ich habe das unternehmerische Risiko und muss am Ende entscheiden, ob die Flasche grün, blau oder rot ist, welches Holz wir für die Stäbchen verwenden und wie die Verpackung aussieht.“ Das Ergebnis? Blau für den Winter, Orange für den Sommer, unbehandelte Stäbchen aus Rattanholz für die Flakons und eine naturbelassene Verpackung ohne Schutzfolie. Alles gut durchdachte Entscheidungen einer Frau, die weiß, wie man verkauft.

Und die weiß, was sie von Düften erwartet, die die Essenz von St. Moritz olfaktorisch transportieren sollen. Denn Eveline Fasser-Testa ist mit den Gerüchen der Region groß geworden. Sie weiß, wie es im Sommer gerochen hat, als sie als Kind die 4,4 Kilometer um den St. Moritzersee laufen musste – am besten unter 30 Minuten. Sie kennt den Duft des Winterwindes, der einem um die Ohren weht, wenn man die heimischen Pulverschnee-Pisten hinunterfährt. Und den der Wälder, durch die man so viele Kilometer wandern oder biken kann. „Die Natur verändert sich nicht so schnell. Das ist wie am Meer: Ob du als Kind dort warst oder jetzt wieder hinfährst, der Geruch bleibt derselbe“, sagt sie, auch im Hinblick auf die beiden Düfte, die ausschließlich die natürliche Seite von St. Moritz betonen.

Inviern und Engiadina transportieren definitiv nicht den Champagner-Lifestyle und den prestige-orientierten „Leuchtturm-Charakter“, wie Eveline Fasser Testa es ausdrückt, den manche TouristInnen mit dem schillernden Ort auf 1.800 Metern Seehöhe verbinden. Vielmehr vermitteln sie die frische, gesunde, atemberaubende Natur, für die das Engadin steht und die wohl auch einen beachtlichen Teil dazu beiträgt, dass Einheimische wie Eveline Fasser Testa so gerne hier leben, Gäste wie Geza Schön sich so wohl fühlen und TouristInnen in Erinnerung an den schönen Aufenthalt St. Moritz im Flakon mit nach Hause nehmen.

Text: Martha Miklin // friendship.is
Photos: Ian Ehm // friendship.is; Daniel Martinek Photography

24. März 2017

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