Die Geschichten

Kind Des Malojawindes

Sarah Missiaen, Leiterin der Windsurfschule in Silvaplana, erzählt von den Freuden eines Sports, der nie aussterben wird.

Sarah Missiaens Lieblingsbeschäftigung war immer das Reiten. Die Begeisterung ihres Vaters fürs Windsurfen konnte sie lange Zeit nicht nachvollziehen – bis sie sich mit 18 schließlich doch einmal aufs Brett wagte und Bekanntschaft mit dem berühmten Malojawind machen durfte. Seit diesem Tag ist Missiaen dem Windsurfen verfallen und hat mittlerweile die einzige Windsurfschule am Silvaplanersee von ihrem Vater übernommen – sehr zu dessen Freude („Jetzt habe ich mehr Zeit, um Segeln zu gehen.“). Im Interview spricht sie über ihre Leidenschaft und den Zauber des Silvaplanersees. 

Sarah, wann hast du die Windsurfschule übernommen?

Mein Vater hat „Windsurfing Silvaplana“ vor 25 Jahren gegründet, 2008 bin ich eingestiegen. Seit 2013 führe ich die Schule mit ihren acht Mitarbeitern. Während meiner Ausbildung zur Hotelfachkraft hätte ich nie gedacht, dass Windsurfen irgendwann einmal zu meinem Leben wird. 

Was bedeutet Windsurfen für dich?

Es ist der Inbegriff von Freiheit! Man ist alleine auf dem Brett und doch umringt von unzähligen Menschen, die die gleiche Leidenschaft teilen.

Der Silvaplanersee ist als Windsurf-Mekka bekannt. Auch die Legende Björn Dunkerbeck nennt das Engadin seine Wahlheimat. Welche Magie wohnt diesem See inne?

Was den Spot so einzigartig macht, ist zum einen der thermische Wind, der zuverlässig zu Mittag aufkommt und abends wieder geht. Dazu kommt die landschaftliche Kulisse: Windsurfende Massen und im Hintergrund die schneebedeckten Bergen – dieses Bild bringt jeden, der hier ankommt, zum Staunen.

Dem Sprachengewirr am See nach zu urteilen, dürft ihr euch über ein recht internationales Publikum freuen. 

Zu uns kommen Menschen aus Italien, Frankreich, Deutschland, Österreich und der gesamten Schweiz – aber auch viele Einheimische trauen sich aufs Brett. Was ich in den letzten Jahren miterleben durfte, ist, dass viele, die das Windsurfen vor Jahren einmal probiert hatten, wieder damit beginnen wollen. Das ist für einige allerdings eine echte Herausforderung, denn am Material hat sich viel verändert.

In den 90er-Jahren hat das Windsurfen ja einen regelrechten Boom erlebt – sind die goldenen Jahre vorbei?

Der Boom war sicherlich einzigartig. Ich bin mir jedoch sicher: Windsurfen wird nicht aussterben. In den letzten Jahren ist die Zahl der Anfänger sogar wieder gestiegen. 

Was machst du, wenn die viermonatige Windsurfsaison vorbei ist?

Surfen!

Hast du nicht auch einmal genug davon?

Ach, vom Surfen werde ich nie genug bekommen (lacht). Zweimal im Jahr unterrichte ich Sportstudenten am Bielersee im Windsurfen. Wenn die „Windsurfing Silvaplana“ zusperrt, schmeiße ich mich in meinen T3-Surfbus und fahre an den Strand. Nach Sardinien, Südfrankreich oder Spanien – je nachdem, wo der Wind am besten weht. 
Das Leben ist eben immer so, wie du es dir gestaltest!

Windsurfing Silvaplana

Text: Armin Knöbl // friendship.is
Fotos: Florian Lechner // friendship.is

14. August 2017

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