Die Geschichten

Mode, Mein Leben.

Die Kreationen von Vollblut-Designerin Theresia Grimminger sprühen nur so vor Lebensfreude und Heimatliebe.

Wer der Modedesignerin Theresia Grimminger in ihrer Seefelder Modewerkstatt einen Besuch abstattet, wird zuerst von drei anderen begrüßt: Stella ist ein cremefarbener Golden Retriever, gut im Futter und mit langsam wedelndem Schweif, Schnuppe ein flauschiger, weißer Malteser mit hoher Stimme und dann ist da auch noch die 16jährige Katze, die mit ihren Samtpfoten so geschmeidig und grazil durch den Raum schreitet, als wäre sie auf dem Laufsteg – und maximal halb so alt. Erst wenn man das tierische Empfangskomitee passiert hat, kommt Theresia Grimminger zum Vorschein: Heute trägt die Modedesignerin eine Brille mit froschgrünem Rahmen, ein blau-weiß gestreiftes Oberteil und roten Lippenstift. Als sie unsere Hände schüttelt, beruhigt sich auch das Gewusel zu unseren Füßen: Die Tiere springen, einer nach dem anderen, auf die niedrige Couch und erholen sich von der Aufregung, die stets mit fremdem Besuch einhergeht.

„Ich liebe es hier einfach. Meine Tiere sind da und ich kann in den Garten gehen wenn ich Lust habe“, sagt Theresia über ihr Atelier, das an ihr Wohnhaus angrenzt. Der Raum entspricht dem, was man sich von einer Modewerkstatt erwartet: Schneiderpuppen, an denen halbfertige Abendroben mit Nadeln festgesteckt sind, Schubladen voller Knöpfe in allen Formen, Farben und Materialien, eine öfters ratternde als ruhende Nähmaschine und überall Fashion-Magazine und Stoffe, einige davon mit Steinen besetzt, andere mit Pailletten, wieder andere mit Spitze. Es ist das Reich eines kreativen Kopfs, der ständig Neues entwerfen muss: „Ich mache das, was mir einfällt, aber das möglichst zügig, damit ich’s aus meinem Kopf draußen hab“, erzählt die Designerin. Und das geht so seit der dritten Klasse Hauptschule, als sie mit dem Kleid, das die neue Handarbeitslehrerin in Auftrag gab, so schnell fertig war, dass sie noch einen Bikini nähte bis die anderen schwitzend die letzte Naht ihrer Kleider durchgezogen hatten. „Da ging der Knopf bei mir auf“, so Theresia Grimminger.

Inspirationsquelle Natur

Nach entsprechender Ausbildung an der HBLA Ferrarischule und der Lehrzeit im Modesalon Romy, beides in Innsbruck, arbeitete die gebürtige Seefelderin viele Jahre in München, wo sie auch ihren Mann kennen lernte. Aber Seefeld holte sie zurück, unter anderem führte sie im Ort gemeinsam mit einer Geschäftspartnerin eine Boutique. Die Zusammenarbeit sollte allerdings nach drei Jahren enden, als die Entscheidung für das Eigene gefallen war. „In meinem Schlafzimmer habe ich eine riesige Fensterfront die auf das Gebirge zeigt, und ich denke mir wirklich jeden Tag: Gott, hast du Glück gehabt, dass du hier hineingeboren wurdest“, so die Designerin, deren Kreationen auch immer wieder von der Region inspiriert sind. Eine der Schneiderpuppen trägt heute eine Trachtenschürze, bedruckt mit einer alten Fotografie, die ihre Großeltern vor einem Bergpanorama zeigt. Sie ist Teil der Kollektion, die „Traditionelles in neuem Glanz erstrahlen lassen will“ und „die Schönheit der Region einfangen soll“, so die Designerin. An einer anderen Puppe ist ein Mantel inszeniert, bei dem ein Bild einer befreundeten Künstlerin als Vorlage diente. Der Austausch mit anderen (wie zum Beispiel bei „Kunst am See“, einer Art Kunstausstellung von Künstlern aus der Region) sei ihr ein großes Anliegen – und die entsprechenden Kontakte würden sich immer irgendwie ergeben, meint die Designerin. So als würde sich automatisch anziehen, was zusammengehört: „Ich lerne die verschiedensten Leute kennen, von ausgeflippt bis Dame. Das passiert einfach.“

Die drei Musen der Theresia

Theresia Grimmingers Portfolio umfasst Abendroben, Hochzeitskleider und Trachten, „aber auch Mäntel, Hosen – eigentlich alles. Außerdem mache ich Änderungen oder nähe für einen alten Seefelder einen Knopf an, da bin ich mir nicht zu schade“, erzählt sie. Ihren Stil beschreibt sie als klassisch. Ihre Vorbilder? „Ich liebe das, was Marilyn Monroe, Audrey Hepburn und Doris Day getragen haben. Und ich sage immer: Man kann meine Sachen jetzt anziehen, dann hängt man sie ein paar Jahre in den Schrank und dann zieht man sie wieder an.“ Auch wenn die Stücke mit den vielen Steinchen und Federn fragil wirken, so sind sie dennoch waschbar, darauf lege sie großen Wert: „Es ärgert mich immer wenn ich einen Stoff gekauft habe, bei dem ich nachher feststelle, dass man ihn nicht selber waschen kann.“ Ein Pragmatismus, der sicher nicht charakteristisch für die Branche ist, aber trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – zu Kreationen geführt hat, die mehrfach ausgezeichnet worden sind, zum Beispiel mit dem 3. Platz beim Haute Couture Austria Award, den die Designerin sich drei Mal ernäht hat.

Dass Theresia Grimminger sich gerne in ihrem Atelier und Garten aufhält, kann wohl jeder nachvollziehen, der dort selber ein wenig Zeit verbringen durfte: Die Atmosphäre ist einfach gut. Und dafür ist sicher nicht nur die frische Luft verantwortlich, denn hier schreit alles ein großes JA – ein Ja zum Kreieren, Träume verwirklichen, zum Sich-Verlieren in einer Sache. Kurz gesagt: Ein absolutes JA zum Leben: „Ich hatte mit 30 das erste Mal Krebs und dann elf Jahre später das zweite Mal. Seitdem habe ich eine ganz andere Einstellung zu allem – aber der Mode bin ich treu geblieben. Sie ist mein Leben.“ Eine Einstellung, die sich vom Atelier über den Garten mit dem Teich in dem sich friedliche Fische vom Wind treiben lassen, bis vor die Türe spüren lässt, vor der Stella, Schnuppe und Mausi, die Katze, warten. Marilyn, Audrey und Doris hätten es hier sicher auch geliebt.

www.modewerkstatt.org

Text: Martha Miklin // friendship.is
Fotos: Florian Lechner // friendship.is

4. August 2017

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