Die Geschichten

Wein Mit Geschichte(N), Wie Das Leben Sie Schreibt

Beim prämierten Weinconnaisseur Michael Jank muss ein guter Tropfen nach Persönlichkeit schmecken.

Mit seiner unendlichen Passion für den Wein hat Michael Jank die Olympiaregion Seefeld zu einem Mekka für Weinliebhaber und -sammler gemacht. Doch wer glaubt, es ginge hier nur um den üblichen Weintalk über Struktur und Körper, dem offenbart der Geschäftsführer von der Weinbar Tre Culinaria einmal eine andere Sichtweise: Jeder Wein ist so gut wie seine Geschichte. Denn es geht, so verrät Michael Jank, in Wahrheit um den Menschen dahinter. 

Die Weinkultur steht für Persönlichkeit – wie jener des sympathischen Gastronomen Michael Jank mit seinem ausgeprägten Sinn für den feinen Genuss. Sein Wissen und sein exzellentes Service wurden von renommierten Fachzeitschriften wie dem Rolling Pin gelobt. Deshalb trifft man sich bei Michael Jank in der Weinbar Tre Culinaria in Seefeld gerne zum Aperitif auf ein Glas Rot und Alpentapas aus regionalen Köstlichkeiten wie Wild vom Gut Leutasch. Auch der beachtliche Weinkeller mit Raritäten aus Österreich und den Best of the Alps-Regionen lassen das Herz eines jeden Connaisseurs höher schlagen. 

Lieber Michael, woher kommt deine Leidenschaft für den Wein?

Wein hat mich durch meine Zeit in der Sterne-Hotellerie schon immer begleitet. Wirklich in den Bann gezogen hat mich dann Paul Kerschbaum, nicht nur wegen seinen großartigen Weinen, sondern auch wegen seiner beeindruckenden menschlichen Größe. Er hat an einer schweren Krankheit gelitten und dennoch nicht aufgegeben. 

Warum reizt dich die menschliche Komponente beim Wein besonders?

Ich würde sagen, es sind der persönliche Bezug zu den Produzenten und die daraus oftmals entstehenden Freundschaften. Wir führen über 1000 Weine und bekommen im Jahr über 280 Winzerbesuche. Deshalb ist es mir einfach sehr wichtig, die Menschen dahinter zu kennen. Das Kennenlernen von Wein ist für mich wie das Kennenlernen einer anderen Kultur.

Welcher Wein würde für dich in diesem Fall die Essenz von Seefeld charakterisieren?

Nun, Seefeld ist ein Traditionsort, deshalb würde ich eine Traditionstraubensorte nehmen: Grüner Veltliner – er hat Würze und Stärke; er ist rund, hat aber auch eine exotische Note. 

Ist die Machart des Weines genauso wichtig wie die Herkunft?

Ja, beides ist wichtig.

Wenn wir aber über die Machart im Speziellen reden...

Dann ist die Machart das Spannende am Wein. Man kann ihn in verschiedenen Perspektiven präsentieren. Grüner Veltliner ist ein sehr gutes Beispiel, man kann ihn klein machen, man kann ihn einfach oder auch ganz bombastisch trinken. 
Das ist eigentlich das, was wir in Seefeld machen – wir können Großes machen, wir können auch Kleines machen. Das erzeugt Spannung und ist einfach eine interessante Geschichte.

Was hältst du von Trends wie biodynamischen Weinen?

Es zeigt sich früher oder später immer, wie ein Trend wirklich ankommt.  Früher hat man Weine mit sehr viel Körper und Struktur getrunken. Man hat am Ende den Wein nicht mehr geschmeckt. Am Anfang habe ich auch gerne kräftige Chardonnays oder Rotweine getrunken. Heute geht mein Geschmack in eine ganz andere Richtung, ich möchte den Wein schmecken, nicht das Holz. Deshalb mag ich die Burgunder Rebsorten zum Beispiel sehr gerne.

Dein Geschmack verändert sich also fortlaufend?

Ja, weil man versucht, ihn zu perfektionieren. Man lässt sich leiten und beobachtet: Wohin geht der Geschmack? Dieses Verständnis hat man am Anfang nicht. 
Jeder Wein ist spannend und eine eigene Herausforderung. Man muss den Wein leben, vor allem aber den Genuss. Wenn man einmal einen Bâtonnage getrunken hat, dann weiß man, wie der schmeckt. Das gehört für mich zum Leben dazu. Denn der Genuss bleibt, und so muss man das auch zelebrieren. 

 

Macht dich das konservativer oder radikaler in deinem persönlichen Geschmack?

Weniger radikal würde ich sagen, vielleicht geht man eher zurück zum Ursprung, weil man sich mehr auf die Produkte in der eigenen Region konzentriert.

Deine Tipps für österreichischen Wein?

Da gibt es spannende Sachen, denn viele Weinbauern in Österreich sind Quereinsteiger - Joe Josef Igler etwa. Oder Hans Schwarz, ein gelernter Metzger. Der macht den besten Zweigelt Österreichs. Für mich macht es die Sache besonders spannend, wenn man die Geschichte dazu kennt.
Weingut Topf mit seinem weißen Zweigelt: Bei dem ist die Schale der Traube rot, der ausgepresste Saft aber weiß. Das läuft sehr gut.

Wie zeigt sich die Qualität bei Quereinsteigern im Vergleich zu traditionellen Weinbauern? 

Ich denke dass Weinmachen eine Passion ist, die von Herzen kommt. Man muss Gefühl und Verständnis für das Produkt haben... für Mutter Natur und wie man mit ihr umgeht. Das hat man oder man hat es nicht.

Das hört sich ein bisschen nach Sehnsucht nach dem eigenen Weingut an?

Das wär ein schönes Hobby. Den Hauscuvée hier habe ich zusammen mit einem Weingut gemacht. Ich korrigiere selber, habe eigene Fässer und bestimme den Reifegrad. Was ich dabei am spannendsten finde ist die Frage, wie ich die beste Qualität aus dem Boden herausholen kann.

Welchen Wein würdest du in Seefeld anbauen?

Ganz alte Traubensorten wie Neuburger, St. Tauern, Zweigelt, St. Laurent.

Dein prägendstes Erlebnis mit Wein?

Das war im La Perla in Alta Badia mit dem größten Sassicaia-Weinkeller. Da wird Weinkultur im wahrsten Sinne des Wortes zelebriert.

Wie sieht dein perfekter Tag aus?

Golfen, gut essen und trinken gehen. Auf jeden Fall genießen.

Text: Sandra Pfeifer
Fotos: David Payr // friendship.is

13. Oktober 2016

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