Die Geschichten

Tanz Der Bienen

„Zwei der spannendsten Phänomene bei Bienen sind ihre Art der Kommunikation und ihr selbstloser Gemeinschaftssinn”, sagt Kurt Kriegl.

Der Bienenzüchter und seine Frau Roswitha aus der Olympiaregion Seefeld haben sich mit ihrer ganzen Leidenschaft der Apikultur verschrieben. Kurt Kriegl ist auch die Triebfeder hinter dem Bienenhotel-Projekt und dem Bienenlehrpfad, der auf die Bedeutung der Biene zur Erhaltung eines intakten Ökosystems aufmerksam macht. Was wir von den Bienen lernen können, erzählt er uns im Interview.

Ein erhöhtes Bewusstsein für gesunde Ernährung führt immer mehr auch zu mehr Wertschätzung für eine intakte Natur. Bienen spielen in diesem komplexen Geflecht eine wichtige Rolle. Worauf kommt es bei der Bienenzucht an?

Zuerst sollte man den vitalen Zusammenhang Biene-Natur-Blüte-Pflanze verstehen. Als Imker lernt man auch eine gewisse Sensibilität dafür zu entwickeln, was eine Biene braucht und wie man sie unterstützen kann, gesund und widerstandsfähiger gegen die zunehmenden Außeneinflüsse zu bleiben. Mit einer aufmerksamen Zucht kann man da gewissen Dingen etwas entgegenwirken.

Sensibilität ist dabei ein großes Thema. Was kann man von den Bienen lernen?

Die Biene ist ein sehr soziales Wesen: Jede für sich ist für die anderen da. Im Vordergrund steht die Gemeinschaft, für die sich die Biene opfert, wenn sie ihren Stock verteidigt, und gegebenenfalls dabei auch stirbt. In ihrer kurzen Lebensdauer vollbringt die Biene auch arbeitstechnisch gesehen große Leistungen.

Kann man diese Erkenntnisse auch auf unser menschliches Zusammenleben übertragen?

Ich glaube schon. Es ist eine Sache der persönlichen Ausrichtung: Wenn man anderen helfen möchte geht es nicht primär um den eigenen Nutzen, sondern darum etwas zu geben. Man schätzt sich zufrieden, vom Gemeinschaftsnutzen zu schöpfen.

Die Olympiaregion Seefeld ist mit ihrer großen Artenvielfalt ein idealer Ort für Ihre Mission?

Wir haben hier zum Glück noch viele Wildpflanzen und Kräuter, die auf den Wiesen wachsen. Im Frühling sieht man herrliche Krokusse, an Kräutern gibt es etwa Disteln, Brennesseln, Beinwell.
Aus Sicht der Bienen ist das ein Paradies. Gar keinen Nutzen für sie haben hochgezüchtete Zierpflanzen zum Beispiel, die haben keine Nährquellen und sind für Bienen tote Blumen.

Sind sie ein Naturbursche?

Auf jeden Fall. Wenn bei den Bienen gegen Ende des Sommers Ruhe einkehrt, gehe ich gerne Wandern. Für die Bienen ist der Sommer relativ kurz. Sie schließen schon im Juli mit dem Sammeln der Pollen ab.

Die Bienen sind wohl sehr sonnenorientierte Wesen.

Ja, in der Kommunikation der Bienen spielt die Sonne eine entscheidende Rolle. Wenn Bienen auf Nahrungssuche sind, dann prägen sie sich die Stelle anhand des Sonnenstandes in Relation zum Bienenstock ein. Wieder zu Hause, geben sie diese Information an die anderen Bienen weiter, indem sie einen Tanz vorführen. Die anderen speichern diese Information. Sie sind auch fähig, den sich verändernden Sonnenstand miteinzuberechnen wenn sie nicht gleich losfliegen. Und sie prägen sich auch topographische Gegebenheiten gut ein und suchen immer den kürzesten Weg. Wissenschafter arbeiten schon seit Jahren an der Erforschung dieses Phänomens. Viele der gängigen Pflanzenschutzmittel sind eine Gefahr für die Bienen, weil sie diesen Orientierungssinn stören. 

Mögen Sie aus professioneller Sicht den Sommer lieber?

Ich bin dem Sommer natürlich mehr verbunden, allein schon weil die Blütenvielfalt besser sichtbar ist. Aber jede Jahreszeit ist wunderbar mitzuerleben hier in Seefeld.

Was sieht man am Bienenlehrpfad und wie wird er von den Einheimischen und Besuchern aufgenommen?

In Seefeld wird viel Wert darauf gelegt das Ökosystem stabil zu halten, und das ist unser Beitrag: Wir vermitteln Informationen über Bienen und ihre Wichtigkeit für Natur und Landwirtschaft. 
Es kommen viele interessierte Besucher und Wanderer. Und oft bekommen wir Anrufe von ihnen, wenn mit den Bienenstöcken etwas nicht ganz in Ordnung scheint oder etwas schief hängt.

Also fördert das Projekt auch den Gemeinschaftssinn unter Menschen?

Ja, das kann man so sagen.

Text: Sandra Pfeifer
Foto: David Payr // friendship.is

19. August 2016

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