Die Geschichten

Karl-Josefs Werk Und Gottes Beitrag

Vor über dreißig Jahren nahm Karl-Josef Röck das erste Mal ein Schnitzmesser in die Hand. Gemeinsam mit seinem Großvater fertigte er kleine Figuren aus Holz. Obwohl noch etwas ungeübt, ließ sich schon damals das Talent des Jungen für die filigrane Arbeit erkennen.

Heute sitzt er in seiner Galerie im Stadtzentrum von Seefeld, umgeben von zahlreichen Heiligenstatuen. Alle aus Holz und von Hand gefertigt. Wenn man die Galerie betritt, fühlt man sich auf einen Schlag extrem beruhigt. Vielleicht ist es das viele Zirbenholz. In Form von Christusstatuen, Krippenfiguren und Kreuzen füllt es den ganzen Raum. Oder es ist die Aura des kleinen Mannes, der hinter seinem Schaufenster sitzt, gefühlvoll ein Messer in das weiche Holz drückt und dabei so in seiner Arbeit versunken wirkt, dass er die vielen Passanten gar nicht bemerkt, die ihn durch die Glasscheibe beobachten.

Die Seele baumeln lassen

„Das Schöne an meiner Arbeit ist, dass ich mich darin komplett verlieren und einfach die Seele baumeln lassen kann“, sagt Karl-Josef. Sechs Tage die Woche, acht Stunden pro Tag macht er das. Nur sonntags kommt er nicht in seine Werkstatt. „Das heißt aber nicht, dass ich da nicht arbeite. In Gedanken bin ich immer bei der Bildhauerei und bei Gott.“ Die meisten seiner Arbeiten sind Heiligenfiguren, Großteils sehr detaillierte, konkrete Darstellungen. „Es ist nicht Kunst, wenn du raten musst was das jetzt sein könnte. Heute werden die Menschen zu oft hinters Licht geführt“, sagt der Holzschnitzer. Ihm gehe es darum, dass seine Werke klar erkennbar sind und die Menschen erfreuen.

Deshalb schnitzt er nur Dinge mit denen er etwas Positives verbindet. „Teufel und Hexen mag ich nicht. Was hat das für einen Wert, wenn man so etwas macht?“ fragt er. Er würde jedoch jederzeit einen Hirsch oder ein Rennauto schnitzen, wenn es ihm jemand aufträgt. „Ein Rennauto ist ein Rennauto. Das ist profan und profan muss ja nicht schlecht sein.“ Überhaupt macht Karl-Josef häufig Auftragsarbeiten. Viele Menschen kommen zu ihm, weil sie Kunstwerke, wie er sie fertigt, sonst nirgends mehr bekommen. „Im Alpenraum hat die Holzschnitzerei Tradition und war lange Zeit Volkskunst“, erzählt er. Die Bauern mussten sich im Winter etwas dazuverdienen und schnitzten deshalb für andere Menschen Figuren. Heutzutage üben aber immer weniger Bildhauer diese Kunst aus. Während viele Bildhauer heute mit anderen Materialien arbeiten, will Karl-Josef dem Holz treu bleiben.

An einer etwa zwölf Zentimeter großen Figur arbeitet der Tiroler drei bis vier Tage. Am Liebsten verwendet er dafür Zirbenholz, „weil es das edelste Holz ist, lange braucht bis es auswächst und alleine durch seinen Geruch so beruhigend wirkt“. Grundsätzlich eignet sich aber jede Holzart für die Schnitzerei - je weicher das Holz ist, desto schonender ist es für die Messer. „Und man kommt leichter ans Ziel, weil es formbarer ist.“ Das Holz für seine Figuren schlägt er im Wald selbst und lässt es dann sechs Jahre trocknen, bevor er es weiter verarbeitet. „Für mich ist es das Schönste, wenn ich hier sitzen kann, das Holz in der Hand habe und ganz bei mir und Gott bin“, sagt Karl-Josef, während er mit seinem kleinen Messer einem Jesus ein Gesicht verleiht.

Text: Harald Triebnig // friendship.is
Fotos: Reinhard Lang // friendship.is

16. August 2017

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