Die Geschichten

Wir San Die Armbruster

Wie man die Gegensätze zweier Brüder in einem Namen vereint, erzählen Stefan und Jürgen Armbruster von der renommierten Goldschmiede in Seefeld.

Sie sind zwei Brüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Der eine ist ein beredter Geschäftsmann und passionierter Gemmologe, der andere ein kreativer Handwerker. Als es für die beiden an der Zeit war, den von der Großmutter gegründeten Juwelierladen in Seefeld weiterzuführen, fanden sich Stefan und Jürgen Armbruster plötzlich vor einer großen Herausforderung: nicht nur jener, sich selbst in der Aufgabe wiederzufinden, sondern auch ihre Gegensätze zu vereinen. Und das fing beim Namen an. Best of the Alps erzählen die Gebrüder Armbruster, wie sie ihre unterschiedlichen Berufe und die Tradition des Hauses auf einen Nenner bringen. 

„Der Geschäftsraum war wie unser erweitertes Spielzimmer, hier sind wir immer ein- und ausgelaufen während die Oma und der Vater die Kunden bedienten”, erzählen Jürgen und Stefan Armbruster. Nun stehen sie selbst im Laden und führen den Familienbetrieb weiter, der 1937 als kleines Mietlokal in einem ehemaligen Bauernhof seine Anfänge nahm. Großmutter Johanna verdiente sich in den Kriegsjahren als Schmuckhändlerin ihren Unterhalt und zeigte großes Talent fürs Kaufmännische. „Die Oma wusste immer, wo sie Geschäft machen kann. Und wenn einmal etwas nicht so funktioniert hat, wie sie es sich vorstellte, dann hat sie etwas anderes probiert“, erinnert sich Jürgen. 

War es für sie also ein logischer Schritt, das Familienunternehmen gemeinsam zu übernehmen? „Ich würde sagen, das haben unsere Eltern schon sehr geschickt gelenkt,“ lacht Stefan, während Jürgen fast ein wenig diplomatisch hinzufügt: „Sie haben schon früh erkannt, wo unsere Fähigkeiten liegen, dass ich eher der Kaufmann bin und der Stefan der handwerkliche Typ.” Mit soviel Bedachtsamkeit in den Genen haben sich Stefan und Jürgen dann erst einmal zusammengesetzt und besprochen „wo die Reise denn überhaupt hingehen soll.” 

Emotion als neue Wertschätzung

Bis dahin war das Geschäft in der Innsbruckerstraße bekannt als das „Tiroler Schmuckkastl“. Aber es war nicht das, was die Vorstellungen der beiden jungen Männer widerspiegelte. Und so haben sie lange hin und her überlegt, wie man „zwei Brüder, zwei Berufe und Tradition“ in einem Namen vermitteln kann. Was sich im Nachhinein als ganz selbstverständlich erweist war ihre Erkenntnis: „Wir san die Gebrüder Armbruster, Juwelier und Goldschmied.“ 

Obwohl im Laden auch eine feine Auswahl an Markenschmuck verkauft wird, liegt der Fokus der Brüder auf der Werkstatt, die mit Stefan als ausgebildetem Goldschmied ins Haus kam. Dort macht er von der Anfertigung von Unikaten bis hin zu Fassungen alles. Im Schmuck sieht er sehr viele emotionale Verbindungen zusammenlaufen was ihn auf die Idee brachte, Hochzeitspaare die Form für ihren Ehering gemeinsam gießen zu lassen. Etwas, das sich mittlerweile über Seefeld hinausgesprochen hat. „Des is’ alles a bissl eine menschliche Geschichte,“ meint Jürgen. „Der Ehering bleibt halt ein Leben lang.”

Zeigt man sich interessiert, dann laden die Gebrüder Armbruster einen auch gerne ein, einmal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Dann erlebt man Stefan, den Goldschmied, bei der Arbeit. Viele seiner Tätigkeiten bestehen aus filigraner Tüftelarbeit. Die Geduld für seine ruhige Hand tankt er draußen in der Natur, wenn er mit seinem Camper-Bus immer wieder einmal das Weite sucht. Seine Faszination für das Handwerk lässt sich so auf den Punkt bringen: Fertig ist ein Stück nur dann, wenn er es dafür befindet. 
„Wir erleben oft, wie sehr unsere Kunden in gleichem Maße erstaunt und fasziniert sind, dass da jemand wirklich mit seinen zwei Händen arbeitet und genaueste Maßarbeit vollbringt. Das schafft eine ganz neue Perspektive der Wertschätzung“, sagt Jürgen. Und es steigert die Vorfreude, denn nach der Bestellung heißt es erst einmal warten.

 

Das Produkt gibt es schon länger als es uns Menschen gibt

So wie das kluge Vorausdenken sich in der Familie Armbruster von Generation zu Generation überträgt, tut es auch ihre Begeisterung für das Schöne und Feine. Es war der Vater von Stefan und Jürgen, Günther Armbruster, ein begeisterter Mineraliensammler, der seine Leidenschaft für exotische Farbedelsteine mit ins Geschäft einbrachte. 

„Unser Papa ist oft mit Pickel und Hammer um vier Uhr früh auf den Granatkogel im Ötztal gestiegen um Steine zu klopfen. Die hat er dann in feine Kristalle schleifen lassen.“ Von ihm hat Jürgen seine Faszination für Farben und Steine geerbt. Seine Expertise ist bei den Kunden sehr willkommen, denn begeistern für eine Sache, das kann er ausgezeichnet. „Es ist schon eine unglaubliche Vorstellung, was Mutter Natur vor Millionen von Jahren produziert hat. Zum Beispiel das herrliche Farbenspiel das der Opal durch seine mikroskopisch kleinen Wasserpartikel erzeugt und welches Feuer dabei im Stein entsteht. In Wahrheit gibt es das Produkt schon viel länger als es uns Menschen gibt.”

Was Stefan und Jürgen besonders schätzen, ist der Prozess, mit dem Kunden etwas gemeinsam zu schaffen: vom ersten Gespräch, den Entwürfen, bis zur Freude über das fertige Stück. 
Und auch wenn die Gebrüder Armbruster in ihrer Freizeit gerne mal getrennte Wege gehen - Jürgen zum Langlaufen, Stefan zum Kitesurfen - sind sie füreinander im Laden die perfekte Ergänzung. Familie in der Olypiaregion Seefeld hat eben Tradition.

Text: Sandra Pfeifer
Fotos: David Payr // friendship.is

14. Juni 2016

Lesen Sie die Geschichten von