Die Geschichten

Lebenslauf Der Traumberufe

„Speedy“ Füllemann macht immer, was ihm gefällt. Und wurde Fotograf, Musiker, Sportler, Geschäftsführer und Schauspieler.

Immer wieder lacht Peter „Speedy“ Füllemann verschmitzt, fast kindlich, wenn er aus seinem mittlerweile 70 Jahre andauernden Leben erzählt. Ein Leben, welches – wie er selbst sagt – „in mehreren Episoden abgelaufen ist“. Und keineswegs dem entspricht, was man als herkömmlich bezeichnen würde...

Episode 1:Als Speedy noch Peter war

Aufgewachsen als Sohn des Hoteliers und Kunstmalers Dani Füllemann gibt es für den jungen Peter nichts Schöneres, als mit seinem Vater in den Grindelwalder Bergen zu wandern und dort seinen Blick für die Brillanz der einzigartigen Landschaften seiner Heimat zu schärfen. Den Gästen des „Hotel Gletschergarten“ erklärt er mittels Fernrohr die Besonderheiten der Eiger Nordwand. Und denselben Gästen, die er tagsüber mit seinem Wissen beeindruckt, wechselt er in der Früh die Bettpfannen.

Episode 2: Speedy, der Sportler

Der jugendliche Speedy lebt für den Sport. Sein Können zeigt er beim ruppigen Eishockey genauso wie beim Ästhetik-Sport Curling. Beides betreibt er auf hohem Niveau in der Schweizer Nationalliga. Darüber hinaus ist er Präsident des Grindelwalder Tennisclubs. Dass er über kurz oder lang auch seine Leidenschaft für das Bergsteigen entdeckt, liegt fast auf der Hand. Am meisten Freude bereitet Speedy jedoch das Skilehrer-Dasein, welches ihm auch seinen bis heute erhaltenen Spitznamen beschert. 

Episode 3: Speedy, der Musiker

Im Alter von 23 Jahren eröffnet Speedy ein Sport-und Textilgeschäft, das er 40 Jahre lang führen wird. Nebenher arbeitet er weiterhin als Skilehrer. Und während viele andere damit wohl ziemlich ausgelastet wären, sucht Speedy nach einem weiteren Hobby. Schon als Schüler spielt er in einer Band, 1987 lässt er diese Leidenschaft neu aufflammen und gründet mit ein paar Freunden die Country-Band „City Dump“. Die Jungs organisieren ein Country-Festival in Grindelwald, touren fünfzehn Jahre lang durch die Schweiz, produzieren zwei CDs und werden sogar in die Country-Metropole Nashville eingeladen. Speedy ist Bandleader, spielt Klavier, Gitarre, Schlagzeug und Mundharmonika. „Das war eine wilde Zeit. Wir sind viel Harley gefahren.“

Episode 4: Speedy, der Schauspieler

Irgendwann wird Speedy das Musiker-Dasein zur Last. „Jedes Wochenende haben wir bis vier Uhr früh gespielt. Danach musste ich ins Geschäft. Das ist zu anstrengend geworden.“ Also macht sich der Tausendsassa auf zu neuen Ufern – und landet in der Schauspielerei. Acht Jahre spielt er „semiprofessionell“ in einem Landschaftstheater. Typisch für Speedy ergibt sich auch daraus wieder etwas Neues: Er wird für diverse Filmrollen gecastet, spielt unter anderem einen Colonel in einer Dokumentation über den Absturz eines amerikanischen Fliegers am Gauligletscher. Später tourt Speedy für eine Lotterie-Werbung als vermeintlicher Millionen-Gewinner durchs Land und spendiert wildfremden Menschen Konzerttickets und Champagner.

Episode 5: Speedy, der Fotograf

Vieles in Speedys Leben ist „irgendwie passiert“, meist weil er einfach seinen Interessen nachging. So geschehen auch mit seinem heutigen Beruf, der Fotografie: „Ich habe immer schon gern Bilder geschossen“. Nach der Schließung seines Sportgeschäfts hat er endlich wirklich Zeit dafür. „Ab und zu schnappe ich mir die Kamera und laufe einfach in die Grindelwalder Berge.“ Dank seiner Geduld und seinen wachsamen Augen erspäht er tolle Motive: Jungfüchse, Murmeltiere oder den halb beleuchteten Mond, der gerade hinter der Eiger Nordwand verschwindet. Manche seiner Schnappschüsse schaffen es auf die Website von National Geographic. So entsteht der Kontakt zu Fotografen, die Speedy auf Reisen rund um den Globus mitnehmen. Die Fotografie führt ihn so nach Patagonien, Bolivien, Chile, Norwegen und sogar in die Arktis. „Ich bin kein Profi“, sagt er über sich selbst. „Ich will auch kein eigenes Studio und Shootings mit Models. Am liebsten bin ich draußen in der Natur zum Fotografieren.“ Seiner Facebook-Seite „Pictures of Grindelwald“ folgen mittlerweile mehr als 5.000 Menschen. 2015 werden seine Fotos zusammen mit den Malereien seines verstorbenen Vaters im Grindelwalder Museum ausgestellt.

Episode 6: Speedy, der Lebenskünstler

„Im Moment lebe ich nach dem Lustprinzip. Einen geregelten Tagesablauf kenne ich nicht.“ Um die besten Lichtverhältnisse zu nutzen, steht er manchmal schon um fünf Uhr morgens auf dem Berg. Was noch kommt, weiß er nicht. Speedy kann sich mit dem Begriff Lebenskünstler durchaus anfreunden. „Die künstlerische Ader habe ich von meinem Vater mitbekommen. Ich hätte ja theoretisch auch eine Ausbildung zum Holzbildhauer, aber die habe ich bis jetzt nie gebraucht.“ Dass sich das noch ändert, ist unwahrscheinlich. Ausschließen kann man es bei Speedy Füllemann dennoch nicht.

Text: Armin Knöbl // friendship.is
Fotos: Florian Lechner // friendship.is; Michael Meier; "City Dump";  Speedy Füllemann

9. Dezember 2016

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