Die Geschichten

Ein Dynamisches Duo

Myriam und Bruno Kaufmann vom Café 3692 in Grindelwald verbinden die Idee eines nachhaltigen Betriebes mit der eines ungewöhnlichen Showrooms.

Wenn Bruno Kaufmann durch die Natur spaziert, kommt er selten wirklich schnell voran. Zu viel sieht er, zu viel entdeckt er, zu viel muss er aufheben. „Ich war schon als Kind ein Sammler. Wenn wir irgendwo hingegangen sind, habe ich immer ein Stück Holz, einen Stein oder sonst irgendwas gefunden, das mich fasziniert hat.“ Berufsbedingt ist es vor allem das Holz, das den gelernten Schreiner fasziniert. Ein in den Bach gestürzter und vom Wasser geschliffener Baum ist für ihn „Kunst“. Vor zehn Jahren hat er sich mit „Harmonie Holz“ selbstständig gemacht. Er verarbeitet Gefundenes zu Möbelstücken, baut Bettgestelle aus Schwemmholz und Tische aus alten Baumstämmen. Geplant ist das vorher oft nicht, auch deswegen sieht sich Bruno heute mehr als Künstler denn als Schreiner. „Ich sehe etwas, das mir gefällt und nehme es mit. Und irgendwann habe ich eine Idee, was ich daraus machen könnte.“ Entsprechend ungewöhnlich sind seine Produkte, entsprechend schwer tun sich seine Kunden, sich etwas vorzustellen, wenn er seine Ideen schildert. Zumindest war das bis vor zwei Jahren so, bis zur Eröffnung des Café 3692, betrieben von seiner Frau Myriam, das auch Brunos Showroom beherbergt. 

„Hätten wir es anders gemacht, es wäre nicht ‚unser Café‘ geworden“

Die Zapfanlage besteht aus alten Holzhobeln, an der Decke wurden drei unterschiedliche Holzsorten verbaut. Der Stammtisch ist noch ein echter Stamm und der Grill ein umgebauter Stollenwagen, einst beim Bau der Jungfraubahn im Einsatz. Betritt man das Café 3692, weiß man aufgrund der ungewöhnlichen Gestaltung im ersten Moment gar nicht, wo man hinschauen soll – dennoch ist das Ganze stimmig. „Es ist immer sehr spannend zu sehen, wie die Menschen reagieren“, erklärt Bruno. „Gerade Kinder sind bei uns oft sehr ruhig, weil sie mit schauen beschäftig sind.“ 
Dabei erforderte die Planung des Cafés durchaus Mut, selbst Freunde hätten sich während der Bauphase kritisch geäußert – man wolle zu viel, das Ganze müsse einheitlicher sein. „Trotzdem hab ich zu Bruno gesagt: Bau es so, wie du es im Kopf hast.“ erzählt Myriam.  Und Bruno ergänzt: „Hätten wir es anders gemacht, es wäre nicht ‚unser Café‘ geworden.“ Denn jedes Detail hat seine Bedeutung. Die Zahl „3692“ steht für das Wetterhorn bzw. die Höhe des Gipfels, wo sich die beiden verlobt haben. Der Steinbock im Wappen ist ein Symbol für die Glecksteinhütte, die Myriam als Nachfolgerin von Brunos Eltern acht Saisonen lang bewirtet hat. 

Die Balance zwischen Abheben und Bodenständigkeit

Serviert werden im Café 3692 fast ausschließlich regionale Produkte, die Karte orientiert sich an der Saison. Beim Kaffee handelt es sich um fair und direkt gehandelte Spezialitäten der kleinen Rösterei „Kafischmitte“ aus dem Emmental. „Ich lege sehr großen Wert auf die Auswahl unserer Produkte. Und manchmal ist dann halt nur mehr eine Portion da, das muss man den Gästen dann halt erklären“, so Myriam „So etwas geht in einem großen Betrieb nicht, deshalb wollte ich immer etwas Kleines.“ 

Mit dem Café 3692 ist in Grindelwald ein Lokal entstanden, in dem die besondere Beziehung zur Natur, der Mut, den eigenen Weg zu gehen und die Leidenschaft von zwei Menschen für ihren Beruf vereint wird – zwei Menschen, die sich gerade aufgrund ihrer unterschiedlichen Berufe hervorragend ergänzen: „Ab und an muss ich Bruno wieder ein bisschen auf den Boden zurückholen, dafür lässt er mich manchmal ein bisschen abheben mit seiner Kreativität und Fantasie. Das gibt eine gute Balance.“  

Text: Matthias Köb // friendship.is
Fotos: Ian Ehm // friendship.is

13. Oktober 2016

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